ABGEFAHREN - Eine Bachelorarbeit zum Autoverzicht.

Aktuelle Arbeitsweg-Situation bei csi in Neckarsulm. Stand 2019

Wer Neckarsulm und das – sagen wir mal – „dazugehörige“ Heilbronn kennt, weiß, welche Rolle Autos spielen. Nicht nur für die Wirtschaft, sondern für die Fortbewegung. Radfahrwege waren bis vor wenigen Jahren quasi unbekannt. Der Neckar durch viel befahrene Straßen bestens von Spaziergängern und Naturliebhabern abgeschirmt. Und Heilbronn ist bis heute die einzige deutsche Großstadt, die keinen regulären IC- bzw. ICE-Anschluss besitzt.* Mit dem ÖPNV sieht es – wie in vielen Regionen – so lala aus. Nachts ist es, was Bus und Bahn angeht, aber echt zappenduster. Dafür gibt es wohl kaum eine Stadt, die einen perfekteren Autobahn-Anschluss hat. Ob in Nord-, Süd-, West- oder Ost-Richtung – es kann direkt Vollgas losgehen. Wer in Neckarsulm und Umgebung ohne Auto vorankommen möchte, muss sich etwas einfallen lassen oder sehr gut zu Fuß unterwegs sein.

* Während der BUGA, die 2019 in Heilbronn mit riesigem Erfolg stattfand, machten ein paar ICE-Züge Halt. Und auch jetzt ganz aktuell ist Heilbronn temporärer ICE-Bahnhof. Aber nur so lange, bis die Schnellfahrstrecke zwischen Stuttgart und Mannheim wieder in Stand gesetzt ist. Immerhin für 2028 ist geplant, Heilbronn als regulären IC-Bahnhof ins Bahnnetz aufzunehmen. Schauen wir mal.

Es ist also nicht verwunderlich, dass in Neckarsulm fast Dreiviertel der csi-Kolleginnen und Kollegen mit dem Auto zur Arbeit kommen. Nachhaltig ist das zugegebenermaßen nicht. Was ist zu tun, um hier etwas zu ändern? Das fragen wir nicht nur uns, sondern ist auch Thema der Bachelorarbeit von Julia Orowitsch.

Julia hat Anfang des Jahres ihren Bachelorstudiengang „International Project Engineering“, ein Wirtschaftsingenieur-Studium mit Projektmanagement-Vertiefung, an der Hochschule Reutlingen erfolgreich abgeschlossen. Geboren in Sindelfingen und aufgewachsen in der Region Heilbronn, beschäftigte sich die 23-Jährige in ihrer Bachelorarbeit „Entwicklung eines nachhaltigen Mobilitätskonzepts für kleine und mittlere Unternehmen in Ballungsräumen“, damit, wie wichtig die Mobilität für uns Menschen, aber auch den gesellschaftlichen Fortschritt und das Wirtschaftswachstum ist. Gleichzeitig macht sie deutlich, wie insbesondere Städte unter der steigenden Fahrzeugzahl, den bei der Fahrt ausgestoßenen Emissionen, dem verursachten Lärm sowie dem hohen Flächenverbrauch durch Straßen und Parkplätze leiden. Es sind also Lösungen gefragt, die die Verkehrsinfrastruktur entlasten, die Klimaziele der Bundesregierung erreichbar machen und den Bewohnerinnen und Bewohnern oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine angenehmere und einfachere Mobilität ermöglichen.

Doch wie soll das gehen? Auf der Suche nach sinnvollen Ansätzen werden in der Bachelor Arbeit bereits existierende Mobilitätskonzepte mehrerer Städte und Unternehmen nach verschiedenen wissenschaftlichen Methoden analysiert. Um dann letztendlich zu dem Ergebnis zu kommen, dass es (bisher) kein nachhaltiges Mobilitätskonzept gibt, das die unterschiedlichen Bedürfnisse aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfüllt. Vielmehr müssen unterschiedliche Konzepte angeboten werden, um Menschen zu motivieren, das Auto stehen zu lassen und auf anderen Wegen ins Unternehmen zu kommen.

 

Und jetzt? Wie geht es weiter?

Ein Ergebnis aus Julias Bachelorarbeit ist, dass wir mit unseren rund 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Standort in Neckarsulm einfach zu klein sind, um alleine die Welt zu retten. Jedenfalls so ungefähr. Nein, im Ernst, die Arbeit veranschaulicht, wie wichtig die Zusammenarbeit verschiedener Unternehmen, Städten und Menschen ist, um gemeinsam das Verkehrsaufkommen zu reduzieren. Denn nur wenn viele bereit sind, die eigene Komfortzone zu verlassen und die infrastrukturellen Voraussetzungen vorhanden sind, kann die Wende gelingen.

Darum war die Bachelorarbeit bzw. der erfolgreiche Abschluss ihres Studiums für Julia auch mehr als nur der Einstieg in ihre Karriere bei csi: Sie soll nun das, was sie theoretisch erarbeitet hat, in die Tat umsetzen.

Dazu hat sie – bis Corona kam – alles vorbereitet, um bei uns im Unternehmen den Umstieg auf das Fahrrad zu beschleunigen. Eigentlich sollte schon bis Mitte April ein Bike-Bonus eingeführt werden. Dieser verzögert sich zwar, aber in die Pedale zu treten, wird sich in Zukunft bei csi nicht nur für die Gesundheit auszahlen. Außerdem arbeitet Julia an der Organisation von Mitfahrgelegenheiten, der Einführung eines Job-Tickets und den Möglichkeiten, einen Shuttle-Service zu realisieren.

Erste Gespräche mit der Stadt Neckarsulm sind schon geführt worden, große regionale Unternehmen wie AUDI, Bechtle oder die Schwarz Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, sollen mit ins Boot geholt werden. Wenn das klappt, dann könnten schon bald unternehmensübergreifend Mitfahrgelegenheiten gebildet werden und eine Shuttle-Lösung für die letzte Meile vom Bahnhof bis zum Unternehmen deutlich näher rücken. Julia wird dann – mit ihrem nagelneuen e-Auto – sicher auch selten alleine unterwegs sein. Also, Daumen drücken! 

Julia Orowitsch


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